1. Grundlage des Unternehmens
Die Stadtwerke Wernigerode GmbH ist ein kommunales Energieversorgungsunternehmen, das als 100%ige Tochtergesellschaft der Stadt Wernigerode im Jahr 1990 gegründet wurde. Gegenstand des Unternehmens ist die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit Elektrizität, Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme.
Das Leistungsspektrum der Stadtwerke Wernigerode GmbH umfasst nahezu alle Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft. Neben dem Bezug, der Weiterverteilung und dem Vertrieb von Energie und Trinkwasser werden an drei Standorten Blockheizkraftwerke zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme betrieben. Vielfältige Produkte und Dienstleistungen für private Haushalte, Gewerbe, Industrie und auch Kommunen sowie die regionale Verbundenheit gehören zu den besonderen Stärken der Gesellschaft. Zudem nimmt das Unternehmen die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetreibers wahr.
Von diesem Angebotsportfolio profitieren mehr als 50.000 Haushaltskunden und Gewerbeunternehmen, ebenso auch große Industriebetriebe in- und außerhalb der Stadtwerke-Netzgebiete. Soziales Engagement, Nachhaltigkeit und die aktive Mitgestaltung der Energiewende vor Ort sind wesentliche Eckpfeiler der Unternehmensphilosophie. Durch die Förderung umweltschonender Energieerzeugung und Mobilität, der bevorzugten Auftragsvergabe an regionale Dienstleister sowie auch durch Spenden und langjähriges Sponsoring leistet die Stadtwerke Wernigerode GmbH einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl.
2. Wirtschaftsbericht
2.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Geschäftstätigkeit der Stadtwerke Wernigerode GmbH wird maßgeblich von allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, energiepolitischen Vorgaben sowie durch spezifische energiewirtschaftliche Gegebenheiten geprägt. Darüber hinaus beeinflusst die Witterung die Geschäftsentwicklung insbesondere im Erdgas- und Fernwärmebereich.
Gemäß Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis, Stand 03/2025) befindet sich Deutschland weiterhin in einer Rezession. Nachdem bereits im Jahr 2023 das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,3 % zurückgegangen war, sank die Wirtschaftsleistung im Jahr 2024 abermals um 0,2 % gegenüber dem Vorjahr. Insbesondere die allgemeine weltwirtschaftliche Schwäche infolge des Krieges in der Ukraine sowie weitere geopolitische Spannungen wirken sich hemmend aus. Zudem belasten hohe Energiekosten und Inflationsraten die deutsche Wirtschaft weiterhin.
Die zweite Stufe des Notfallplanes Gas, die im Jahr 2022 ausgerufen wurde, blieb auch im Gesamtjahr 2024 bestehen. Die Versorgungslage war aufgrund der erreichten Füllstandsvorgaben gem. § 35b EnWG für die Erdgasspeicher stabil und die Winterversorgungslage entspannt. Die europäischen Erdgaspreise, die sich an den teureren LNG-Preisen orientieren, lagen 2024 weiterhin auf einem Niveau, das mehr als doppelt so hoch war, wie vor der fossilen Energiepreiskrise.
Die Großhandelspreise für Strom gaben gegenüber dem Vorjahr das gesamte erste Halbjahr 2024 nach, im zweiten Halbjahr 2024 stiegen sie im Zusammenhang mit höheren Gaspreisen wieder an und lagen am Jahresende 17 EUR/MWh unter dem Vorjahr.
Der Preis für Emissionshandelszertifikate verringerte sich deutlich im 1. Quartal 2024. Ab Juni 2024 stabilisierte sich der Preis auf einem niedrigeren Niveau als im Vorjahr. Der Durchschnittspreis lag nach vorläufigen Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) im Jahr 2024 bei 66,48 EUR/MWh (Stand 18.12.2024, 2023: 85,49 EUR).
Die globale Erderwärmung lag im Jahr 2024 erstmalig mehr als 1,5-Grad über dem vorindustriellen Niveau und hat damit den Schwellenwert gemäß Pariser Klimaschutzabkommen überschritten. Zugleich war das Jahr 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Wie bereits 2023 wurden auch im Jahr 2024 überdurchschnittlich hohe Niederschlagsmengen verzeichnet. Dabei zu beobachten ist die Zunahme von regionalen Extremwetterereignissen.
Während die weltweiten CO2-Emissionen auf einen neuen Höchststand stiegen, ist Deutschland auf einem guten Kurs. Gegenüber dem Vorjahr gingen die Emissionen um 3 % zurück. Gegenüber dem Jahr 1990, welches als Referenzjahr für die deutschen Klimaziele gilt, beträgt die Gesamtreduktion inzwischen 48 %.
Im Dezember 2024 stellte der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag die Vertrauensfrage. Im Ergebnis stimmte die Mehrheit gegen ihn, sodass vorgezogene Neuwahlen für Februar 2025 angesetzt wurden. Dies verstärkte die Unsicherheiten hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung der Energiepolitik und führte zu einer Stagnation bei wichtigen energiepolitischen Entscheidungen. Dennoch war das Kalenderjahr 2024 geprägt von zahlreichen gesetzgeberischen Anpassungen. Im Zentrum standen dabei Maßnahmen, mit denen die zukünftige Einhaltung der Klimaziele sichergestellt werden soll. Diese umfassten beispielsweise die Schaffung von Rahmenbedingungen zum Aufbau eines Wasserstoffkernnetzes, die Beschleunigung des Ausbaus erneuerbarer Energien und deren Systemintegration sowie den Ausbau und die Transformation des Stromnetzes. Folgende europäische und nationale gesetzgeberische Regelungen sind dabei für die Stadtwerke Wernigerode GmbH von wesentlicher Bedeutung;
gesetzlicher Rahmen für die Wärmewende (in Kraft seit 01.01.2024):
Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz)
Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (Gebäudeenergiegesetz)
überarbeitete Richtlinien zur Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)
- Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (u.a. § 14a) sowie Festlegungsverfahren der BNetzA (BK6-22-300 und BK8-22/010-A) – Steuerbarkeit von Verbrauchern auf Niederspannungsebene
- Festlegung KANU 2.0 der BNetzA – Anpassung von kalkulatorischen Netznutzungsdauern und Abschreibungsmodalitäten von Erdgasleitungsinfrastrukturen
- Novellierung des Messstellenbetriebsgesetzes – Verpflichtungen zum Einbau von intelligenten Messsystemen (Smart Meter)
- Solarpaket 1 – Beschleunigung des Ausbaus der Photovoltaik und Bürokratieabbau
- Änderung der Niederspannungsanschlussverordnung – Schaffung eines Netzanschlussportals für Hausanschlussfragen und für die Anmeldung von Erzeugungsanlagen
- Preisbremsen-Entlastungsrückführungsverordnung vom 03.04.2024
- BNetzA-Festlegungsverfahren von Regelungen für einen beschleunigten werktäglichen Lieferantenwechsel in 24 Stunden und Abschaffung der rückwirkenden Kundenummeldung (verpflichtend ab 06.06.2025)
Auf regulatorischer Ebene begann im Jahr 2024 die 4. Regulierungsperiode im Strombereich. Eine Anhörung zur Bestimmung des Ausgangsniveaus erfolgte im Geschäftsjahr nicht und auch der Bescheid zur Höhe der Erlösobergrenzen lag bis Jahresende nicht vor.
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 17.12.2024 mit der Abweisung der Beschwerde der Netzbetreiber gegen die von der Bundesnetzagentur festgelegten Eigenkapitalzinssätze der 4. Regulierungsperiode hat eine wesentliche Bedeutung. Die Eigenkapitalzinssätze beeinflussen die Höhe der Netzentgelte und wirken sich somit auf die Wirtschaftlichkeit der Strom- sowie der Gasnetze aus. Ferner hat die Festlegung der Bundesnetzagentur vom 20.12.2024 zum generellen sektoralen Produktionsfaktor für die 4. Regulierungsperiode einen ergebnissenkenden Effekt auf die Wirtschaftlichkeit der Stromnetze. Diesbezügliche Festlegungen für die Erdgasnetze waren zum Jahresende 2024 noch offen.
Im Jahr 2024 betrug der Primärenergieverbrauch in Deutschland laut vorläufigen Angaben des BDEW und Schätzungen des Arbeitskreises Energiebilanzen e.V. (AGEB) insgesamt 10.478 Petajoule. Dies entspricht einem Rückgang von 1,3 % im Vergleich zum Jahr 2023. Ursächlich dafür waren die weiterhin eingetrübte Konjunktur sowie mildere Temperaturen im Vergleich zum Vorjahr, wenngleich sich die Dynamik abgeschwächt hat.
Die wichtigsten Energieträger im Energiemix blieben Mineralöl mit einem Anteil von 36,6 %, Erdgas mit 25,9 % und erneuerbare Energien mit 20,0 %.
Der Nettostromverbrauch in Deutschland stieg nach Einschätzungen des BDEW um 1,4 % auf 464,1 Mrd. kWh an (2023: 457,6 Mrd. kWh). Größter Verbraucher blieb weiterhin die Industrie mit einem Anteil von rund 44 %. Private Haushalte erreichten einen Anteil von 29 % am bundesweiten Nettostromverbrauch, gefolgt von Gewerbe, Handel und Dienstleistungen mit 24 %. Auf den Verkehrssektor entfielen 3 % des Gesamtnettoverbrauchs.
Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh lag laut BDEW bei 40,92 ct/kWh brutto, was einer Senkung um 4,81 ct/kWh bzw. 10,5 % gegenüber dem Jahr 2023 entspricht. Hauptgrund für diese Entwicklung war das gesunkene Preisniveau an den Energiemärkten. Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb reduzierten sich um 26,3 % auf 17,57 ct/kWh. Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Bruttopreis lag mit 11,82 ct/kWh unter dem Vorjahresdurchschnitt von 12,38 ct/kWh. Hingegen stiegen die Netzentgelte inklusive Messung, Abrechnung und Messstellenbetrieb um 21,1 % und lagen im bundesweiten Jahresdurchschnitt bei 11,53 ct/kWh.
Der Erdgasverbrauch in Deutschland stieg gemäß vorläufigen Angaben des BDEW im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 % auf 835 Mrd. kWh an. Das leicht gesunkene Preisniveau wirkte nachfragesteigernd. Der Erdgasverbrauch in der Industrie hat trotz der gedämpften Konjunktur zugenommen (+ 5,8 %). Der Einsatz von Erdgas als Brennstoff für Kraftwerke der Strom- und Wärmeerzeugung stieg voraussichtlich um 2 %. Hingegen ging der Verbrauch im Verkehrssektor um rund 5,7 % zurück.
Der Erdgaspreis für Haushalte – Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh – lag im bundesweiten Durchschnitt bei 11,02 ct/kWh brutto und damit rund 21 % unter dem Vorjahrespreis von 13,99 ct/kWh. Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen stieg von 2,13 ct/kWh auf 3,12 ct/kWh an. Die Kosten für Beschaffung und Vertrieb sind gegenüber 2023 von 9,87 ct/kWh auf 5,93 ct/kWh gesunken, liegen jedoch weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau (2021: 3,25 ct/kWh). Die Netzentgelte, einschließlich Messung, Abrechnung und Messstellenbetrieb reduzierten sich leicht von 1,99 ct/kWh auf 1,97 ct/kWh.
3. Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage
3.1 Geschäftsverlauf
Die im Jahr 2022 beschlossenen Entlastungspakete der Bundesregierung bei Strom-, Gas- und Wärmelieferungen wirkten auch im Jahr 2024 nach. Insbesondere die Abwicklung und Testierungen der Preisbremsen führten trotz verhältnismäßig geringer Auszahlbeträge zu einer starken Bindung personeller Ressourcen im Unternehmen.
Der im Zuge der Energiepreisentlastungspakete seit Oktober 2022 gültige, auf 7 % gesenkte Mehrwertsteuersatz für Erdgas- und Fernwärmelieferungen wurde im Geschäftsjahr 2024 anteilig bis 31.03.2024 berücksichtigt. Seit 01.04.2024 gilt der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 %.
Das im Dezember 2023 eröffnete Online-Service-Portal der Stadtwerke Wernigerode wurde im Juni 2024 mit einer breit angelegten Briefkampagne beworben. Im Ergebnis haben sich bisher rund 14 % der Kunden online registriert und nutzen zusätzliche Vorteile der digitalen Serviceangebote. Unabhängig davon machten zahlreiche Rückmeldungen die wesentliche Bedeutung des persönlichen Kundenservices deutlich, der neben dem digitalen Service weiterhin gern in Anspruch genommen wird.
Ab Juli 2024 wurde in einer dreimonatigen Umbauphase das Kundenzentrum am Firmenhauptsitz umfassend modernisiert. Entstanden ist ein moderner, funktionaler, offener sowie einladender Service- und Arbeitsbereich. Das durchdachte, barrierefreie Raumkonzept spiegelt die kundenorientierte und zukunftsgerichtete Unternehmenskultur wider. Der persönliche Kundenservice wurde durch erweiterte Öffnungszeiten des Servicecenters in den Altstadtpassagen weiterhin gewährleistet.
Um frühzeitig auf die Anforderungen des Wärmeplanungsgesetzes zu reagieren und die zukunftsfähige Ausrichtung des Wärmenetzes der Stadtwerke Wernigerode GmbH strategisch zu gestalten, wurde bereits im Jahr 2023 die Erstellung eines Transformationsplanes zur Dekarbonisierung der Fernwärme beauftragt. Aufgrund der Komplexität der erforderlichen Analysen konnte der Plan erst Anfang 2025 finalisiert werden.
Da die Fernwärmeversorgung eine wesentliche Bedeutung für die Wärmewende vor Ort hat und auch im Kontext der kommunalen Wärmeplanung ein Schlüsselinstrument darstellt, wurde im Berichtsjahr die Erweiterung des Fernwärmenetzes und der Anschluss neuer Abnahmestellen insbesondere in innerstädtischen Bereichen massiv vorangetrieben.
Hinsichtlich der Mieterstromprojekte wurden die Kooperationen mit lokalen Wohnungsbauunternehmen fortgesetzt und fünf weitere Mieterstromanlagen in Betrieb genommen. Damit werden nunmehr zehn Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 370 kWp betrieben. Zudem startete Mitte 2024 ein Pilotprojekt hinsichtlich des Batteriespeichereinsatzes bei Mieterstromprojekten.
Innerhalb der Ein Harz-Projektgruppe wurde Ende 2024 entschieden, das Projekt E-Carsharing auch über den 30.06.2025 um weitere drei Jahre zu verlängern. Auch die Ankernutzer konnten erneut vertraglich gebunden werden.
Die im März 2023 begonnene Erschließung des Wohngebietes Ziegenbergblick in Wernigerode in Kooperation mit der Stadt Wernigerode und dem Wasser- und Abwasserverband Holtemme-Bode wurde im Jahr 2024 erfolgreich abgeschlossen.
Durch strategisches Einkaufsmanagement konnte die Stadtwerke Wernigerode GmbH die Markteffekte weiterhin abfedern. Im Bereich der Endkundenpreise im Strom- und Erdgassektor wurden die Preise zum 01.01.2024 größtenteils gesenkt. Der reine Arbeitspreis Fernwärme sowie auch die Trinkwasserpreise blieben stabil.
Trotz der komplexen Rahmenbedingungen und steigender Herausforderungen haben die Stadtwerke Wernigerode auch im Jahr 2024 ihren Auftrag zur Daseinsvorsorge verlässlich erfüllt.
3.2 Ertragslage
Im Jahr 2024 sind Umsatzerlöse in Höhe von 116.306 TEUR (Vorjahr: 132.256 TEUR) erzielt worden. Die Reduzierung um 15.950 TEUR ist im Wesentlichen auf gesunkene Handelserlöse sowie auf gesunkene Stromabsatzmengen im Sonderkundensegment zurückzuführen.
Im Wirtschaftsplan für 2024 wurden die Umsatzerlöse mit 105.884 TEUR prognostiziert. Die Differenz von 10.422 TEUR im Plan-Ist-Vergleich ist im Wesentlichen auf die erzielten Handelsüberschüsse in Höhe von 9.511 TEUR zurückzuführen, da diese nicht prognostizierbar und somit im Wirtschaftsplan nicht enthalten sind.
Die Verminderung des Bestandes fertiger und unfertiger Erzeugnisse ist auf den Verkauf von erschlossenen Baugrundstücken zurückzuführen.
Die sonstigen betrieblichen Erträge sind durch Erträge aus Auflösungen von Rückstellungen in Höhe von 2.483 TEUR (Vorjahr: 281 TEUR) geprägt.
Die Materialaufwendungen beinhalten im Wesentlichen den Bezug von Strom, Gas und Wasser. Die Reduzierung ist durch die Preisentwicklungen auf den Beschaffungsmärkten für Energie sowie durch gesunkene Stromabsatzmengen bedingt. Zu weiteren Ausführungen wird auf den Punkt 3.2.2 Beschaffung und Erzeugung von Energie verwiesen.
Die Aufwendungen für bezogene Leistungen sind im Vorjahr durch eine Rückstellungsbildung für unterlassene Instandhaltungen in Höhe von 1.019 TEUR (Berichtsjahr: 0 TEUR) beeinflusst gewesen.
Bezüglich des Personalaufwands, der Mitarbeiteranzahl, Tarifsteigerungen usw. wird auf Punkt 3.3.2 Personal- und Sozialbereich verwiesen.
3.2.1 Absatz und Umsatzerlöse an Energie
| Medium (ohne Eigenverbrauch) | Absatz 31.12.2023 | Absatz 31.12.2024 | Abweichung % |
|---|---|---|---|
| Strom (Mio. kWh) | 344,6 | 322,0 | - 6,6 |
| Erdgas (Mio. kWh) | 588,9 | 595,6 | + 1,1 |
| Fernwärme (Mio. kWh) | 55,8 | 55,5 | - 0,5 |
| Trinkwasser (Mio. m³) | 3,42 | 3,61 | + 5,6 |
| Medium | Umsatz 31.12.2023 | Umsatz 31.12.2024 | Abweichung % |
|---|---|---|---|
| Strom (TEUR) | 62.108 | 54.266 | - 12,6 |
| Erdgas (TEUR) | 33.246 | 31.509 | - 5,2 |
| Fernwärme (TEUR) | 6.638 | 7.788 | + 17,3 |
| Trinkwasser (TEUR) | 7.130 | 8.121 | + 13,9 |
Die Umsatzerlöse in der Versorgungssparte Strom reduzierten sich gegenüber dem Vorjahr um 12,6 %. Diese Entwicklung basiert im Wesentlichen auf einer gesunkenen Absatzmenge sowie geringeren Preisen.
Der Rückgang des Umsatzes im Erdgasbereich um 5,2 % resultiert überwiegend aus der rückläufigen Preisentwicklung.
Der Mehrumsatz in der Versorgungssparte Fernwärme von 17,3 % gegenüber dem Vorjahr ist ebenfalls auf Preiseffekte zurückzuführen.
Beim Trinkwasser ist ein Umsatzanstieg um 13,9 % zu verzeichnen. Dieser Anstieg basiert auf Absatzsteigerungen und der nunmehr ganzjährig enthaltenen Preisanpassung aus dem Vorjahr.
3.2.2 Beschaffung und Erzeugung von Energie
Die externe Bezugsmenge Strom im Geschäftsjahr lag mit 160,2 Mio. kWh um 9,1 % unter der Vorjahresmenge in Höhe von 176,3 Mio. kWh. Im gleichen Zuge sanken die Bezugskosten um 6.712 TEUR auf 14.914 TEUR. Ursächlich für diesen Rückgang ist die kontinuierliche Abwärtsbewegung der Preise an den Energiemärkten über das Gesamtjahr.
Die in den eigenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (BHKW) erzeugte Strommenge sank von 47,3 Mio. kWh auf 44,1 Mio. kWh. Dies ist auf die milde Witterung im Jahr 2024 zurückzuführen. Das Unternehmen deckte im Jahr 2024 ca. 21,4 % des gesamten Strombedarfs in Wernigerode durch seine Erzeugungsanlagen ab (inkl. Photovoltaik und Wasserkraft). Die Erzeugungskosten sind gegenüber dem Vorjahr angestiegen. Gründe hierfür waren erhöhte Gasbezugskosten und Netznutzungsentgelte, die gestiegene Gasspeicherumlage sowie der ebenfalls gestiegene CO2-Preis nach Brennstoffemissionshandelsgesetz.
Die Fremdeinspeisung nach EEG und KWK-G in das Netz der Stadtwerke Wernigerode GmbH betrug im Berichtsjahr summiert 11,6 Mio. kWh und lag somit um 1,9 Mio. kWh über der Vorjahresmenge. Durch diesen Anstieg wurden 156 TEUR mehr an Anlagenbetreiber ausgezahlt, die 2.131 TEUR erhielten. Im Jahr 2024 waren 1.284 EEG-Anlagen sowie 83 KWK-Anlagen im Netzgebiet der Stadtwerke Wernigerode registriert (2023: 968 EEG-Anlagen, 81 KWK-Anlagen).
Die Durchleitungsmenge im Rahmen der EEG-Direktvermarktung für Photovoltaikanlagen und Biogasverstromung stieg von rund 6,7 Mio. kWh auf knapp 7,3 Mio. kWh. Gegenüber dem Vorjahr stieg die zu zahlende Marktprämie auf 476 TEUR an.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 518,0 Mio. kWh und damit rund 1,5 % weniger Erdgas als im Vorjahr (525,9 Mio. kWh) bezogen. Der Bezugsrückgang ist vorrangig auf den gesunkenen Erdgasverbrauch im eigenen Netz zurückzuführen. Aufgrund der bereits erwähnten gestiegenen Gasbezugskosten sind für die Beschaffung gegenüber dem Vorjahr 719 TEUR mehr aufgewendet worden, mithin 22.063 TEUR.
3.3 Finanz- und Vermögenslage
Die Bilanzsumme hat sich von 90.944 TEUR auf 96.824 TEUR erhöht.
Die Entwicklung des Anlagevermögens von 56.551 TEUR auf 60.461 TEUR resultiert aus der hohen Investitionstätigkeit.
Der Anstieg der Vorräte von 5.869 TEUR auf 7.252 TEUR ist durch die Bilanzierung von BEHG-Emissionszertifikaten geprägt.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände (2024: 22.156 TEUR; Vorjahr: 20.041 TEUR) sind durch gestiegene Forderungen im Rahmen der Jahresrechnungslegung im Tarifkundenbereich beeinflusst.
Der Bestand an liquiden Mitteln reduzierte sich von 8.017 TEUR auf 6.091 TEUR.
Die Eigenkapitalquote beträgt 46,61 % (2023: 46,80 %) und bleibt damit auf einem konstanten Niveau.
Die sonstigen Rückstellungen sind im Vorjahresvergleich nahezu unverändert (Berichtsjahr: 9.776 TEUR; Vorjahr: 9.740 TEUR).
Der Anstieg der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Berichtsjahr: 16.528 TEUR; Vorjahr: 13.323 TEUR) ist auf die Investitionstätigkeit zurückzuführen.
Das Finanzmanagement der Stadtwerke Wernigerode GmbH ist grundsätzlich darauf ausgerichtet, Verbindlichkeiten innerhalb der Zahlungsfrist sowie unter Ausnutzung von Skonti zu begleichen und Forderungen innerhalb der Zahlungsziele zu vereinnahmen.
Die Finanzlage wird als gut eingeschätzt. Mit den Zahlungsmittelzuflüssen aus der operativen Geschäftstätigkeit sowie aus den Kreditlinien können die notwendigen Investitionen finanziert und Zahlungen an kapitalgebende Banken bedient werden. Damit kann die Finanzstruktur des Unternehmens als sehr gut eingestuft werden.
3.3.1 Investitionen
Um eine sichere sowie zuverlässige Energie- und Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, investierte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2024 10.067 TEUR insbesondere in die Erneuerung sowie in den Ausbau der Netze und Anlagen zur Strom-, Erdgas, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung. Damit blieb die tatsächliche Investitionstätigkeit deutlich unter der geplanten Summe in Höhe von 14.578 TEUR zurück. Wesentlichen Anteil daran hatte die erneute Verschiebung von Maßnahmen für den Ersatzneubau der Schaltstation „Industriepark“ auf die Jahre 2025 und 2026. Dafür waren 2.800 TEUR im Investitionsplan 2024 vorgesehen. Zudem konnten Projekte im Mittelspannungsnetz aufgrund von Verzögerungen bei der Erteilung von Aufbruchgenehmigungen oder vorgelagerter Maßnahmen nicht planmäßig umgesetzt werden.
Auch bereits geplante Maßnahmen, die im Zusammenhang mit dem Transformationsplan für die Fernwärmeversorgung stehen, konnten nicht umgesetzt werden. Grund hierfür war die verspätete Fertigstellung des Transformationsplans, der die Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln bildet.
Für die Netze auf Mittel- und Niederspannungsebene sowie Anlagen der Stromversorgung beliefen sich die Investitionen auf 2.494 TEUR.
In der Sparte Erdgas wurden auf Hochdruck-, Mitteldruck- und Niederdruckebene sowie für technische Anlagen insgesamt 1.402 TEUR investiert.
Für das Trinkwassernetz inkl. technischer Anlagen fielen Investitionen in Höhe von 933 TEUR an. Die Investitionsschwerpunkte lagen auf Erneuerungen der Trinkwasserortsnetze.
Im Fernwärmenetz betrug das Investitionsvolumen für den weiterführenden Netzausbau und den Anschluss neuer Fernwärmekunden 2.986 TEUR.
In die Erzeugung von Strom sowie Fernwärme investierten die Stadtwerke Wernigerode GmbH rund 67 TEUR.
In den sonstigen Bereichen des Unternehmens belief sich die Investitionssumme auf 2.186 TEUR
(u.a. MSR-Technik und Telekommunikation, Zählermanagement, Erdgastankstelle, allgemeine Verwaltung und Fuhrpark, EDV, Stromladesäulen, Contracting, Mieterstrom).
3.3.2 Personal- und Sozialbereich
Der Personalaufwand betrug 8.346 TEUR (Vorjahr: 7.981 TEUR). Der Anstieg ist unter anderem begründet durch die Anpassung der Tarifvergütung zum 01.09.2023 und zum 01.11.2024 sowie durch die gestiegene Anzahl an Beschäftigten.
Im Jahresdurchschnitt beschäftigte das Unternehmen 133 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (einschließlich Altersteilzeitbeschäftigte in der Freistellungsphase). Davon waren 37 Personen gewerbliche Arbeitnehmende, 87 Personen waren Angestellte, neun Personen waren geringfügig beschäftigt. Im Geschäftsjahr waren durchschnittlich sieben Auszubildende tätig, davon drei im gewerblichen und vier im kaufmännischen Bereich.
4. Finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Die Steuerung der Gesellschaft erfolgt vorwiegend über finanzielle Leistungsindikatoren. Dabei wird den Umsatzerlösen und dem Jahresergebnis die größte Bedeutung beigemessen. Zu den Umsatzerlösen der Gesellschaft sowie zur Entwicklung des Jahresergebnisses nach Steuern wird auf die Erläuterungen unter Punkt 3.2.1 verwiesen. Die Entwicklung der Umsatzerlöse wird darüber hinaus auf Basis der wesentlichen Absatzkennzahlen analysiert (siehe Punkt 3.2.1).
Zudem legt die Stadtwerke Wernigerode GmbH großen Wert auf eine exzellente Servicequalität sowie eine vertrauensvolle Kundenbeziehung. In diesem Zusammenhang lässt sich die Stadtwerke Wernigerode GmbH ihre Leistungsfähigkeit durch unabhängige Marktforschungsinstitute zertifizieren. Die Prüfsiegel dienen als objektiver Leistungsnachweis zur Stärkung der Kundenbindung, der Imagepflege sowie der Mitarbeitermotivation. Der Stadtwerke Wernigerode GmbH ist es wiederholt gelungen, durch die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien, wie auch in den vier Jahren zuvor, mit dem Gütesiegel „Herausragender Regionalversorger“ ausgezeichnet zu werden.
Um die Kundenzufriedenheit weiter zu steigern und Kundenwünsche optimal zu identifizieren wurde im November 2024 eine Kundenbefragung mit Teilnahme von 400 Kundinnen und Kunden durchgeführt. Auch hier konnten die Stadtwerke hervorragende Ergebnisse erzielen und erhielten das Gütesiegel „Exzellente Servicequalität“.
5. Tätigkeitsabschlüsse
Zur Einhaltung der Verpflichtungen bei der Rechnungslegung führt die Stadtwerke Wernigerode GmbH nach § 6b Abs. 3 EnWG in der internen Rechnungslegung getrennte Konten für die Tätigkeitsbereiche Elektrizitäts- und Gasverteilung, nach § 3 Abs. 4 des Messstellenbetriebsgesetzes für den Tätigkeitsbereich Messstellenbetrieb Elektrizität sowie auch für die Ladeinfrastruktur E-Mobilität. Für Tätigkeiten außerhalb dieser Bereiche werden ebenfalls getrennte Konten geführt.
6. Prognose, Chancen- und Risikobericht
6.1 Prognose
Für das Jahr 2025 werden Umsatzerlöse in Höhe von 108.765 TEUR prognostiziert. Gegenüber dem Ist des Geschäftsjahres 2024 mit 116.306 TEUR entspricht dies einem Rückgang um rund 6,5 %. Die Reduzierung erklärt sich durch planmäßig verringerte Handelserlöse.
Im Rahmen des Wirtschaftsplanes für das Jahr 2025 gehen die Stadtwerke Wernigerode von einem Jahresergebnis in Höhe von 5.973 TEUR aus (Ist 2024: 7.569 TEUR).
Der vom Aufsichtsrat genehmigte Investitionsplan 2025 sieht ein Gesamtvolumen in Höhe von 13.137 TEUR vor (Ist 2024: 10.067 TEUR). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den im Zuge der Energiewende bzw. Wärmewende erforderlichen Ausbau und die Verstärkung des Stromnetzes sowie auf umfangreiche Netzerweiterungen im Fernwärmebereich zurückzuführen. Ferner wird auf die Verschiebung der Investitionsmaßnahme zum Neubau der Schaltstation „Industriepark“ verwiesen (siehe 3.3.1 Investitionen).
Der Anfang 2025 fertiggestellte Transformationsplan beschreibt den Pfad zur Treibhausgasneutralität der Fernwärmeversorgung bis zum Jahr 2045. Nun gilt es, die Ergebnisse mit der kommunalen Wärmeplanung zu verzahnen sowie mit der Umsetzung erster Maßnahmen zu beginnen. Auch der weitere Ausbau und die Verdichtung des Fernwärmenetzes werden in diesem Zusammenhang Kernaufgaben der Fernwärmesparte sein. Chancen ergeben sich durch den Anschluss neuer Abnahmestellen, die Ausweitung des bestehenden Contracting-Angebotes sowie der Entwicklung neuer Wärmedienstleistungen. Wirtschaftliche Risiken im Hinblick auf die Fernwärmeversorgung, die aktuell durch den Einsatz von KWK-Anlagen auf Basis fossiler Energien sichergestellt wird, bestehen hinsichtlich der zukünftigen Förderpolitik, dem Dekarbonisierungsdruck, der Gestaltung der Rahmenbedingungen sowie der zunehmenden Konkurrenz alternativer Heiztechnologien.
Im Jahr 2025 beginnt im Erdgasnetzgebiet der Stadtwerke Wernigerode GmbH die sogenannte Marktraumumstellung von niederkalorischem Erdgas (L-Gas) auf hochkalorisches Erdgas (H-Gas). Hintergrund sind die rückläufigen Fördermengen von L-Gas, sodass eine langfristige Versorgung nicht mehr abgesichert wäre. Zur Gewährleistung einer stabilen Versorgung ist die bundesweite Umstellung der bisher mit L-Gas versorgten Gebiete auf H-Gas geplant. Der insgesamt etwa zweieinhalbjährige Prozess beginnt mit der umfangreichen Information aller betroffenen Kunden. In der Erhebungsphase werden sämtliche gasbetriebene Geräte in Haushalten und Unternehmen aufgenommen und auf deren Eignung für H-Gas geprüft. Nach erfolgreicher Anpassungsphase, bei der die vorhandenen Geräte umgerüstet oder ggf. ausgetauscht werden müssen, kann schließlich die Umstellung auf H-Gas erfolgen. Der Abschluss dieses Projektes ist im Netzgebiet der Stadtwerke Wernigerode GmbH für das Jahr 2028 geplant.
Bei der Umsetzung von Mieterstromprojekten bestehen weiterhin regulatorische Unsicherheiten. Hohe Investitionskosten sowie Betriebs- und Haftungsrisiken stellen weitere Herausforderungen dar. Dennoch bietet die nachhaltige PV-Stromerzeugung langfristig Wettbewerbsvorteile und stärkt die Rolle als regionaler Energiedienstleister, sodass die Stadtwerke Wernigerode GmbH bestrebt ist, weitere PV- und Mieterstromprojekte zu realisieren. Inwiefern der ergänzende Einsatz von Batteriespeichern zukünftig forciert wird, ist unter anderem von den Erfahrungen des Pilotprojektes sowie von Möglichkeiten zur Nutzung von Förderprogrammen abhängig.
Die grundsätzliche Ausrichtung der Stadtwerke Wernigerode GmbH konzentriert sich weiterhin auf die sichere, wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung aller Kunden aus Industrie und Gewerbe sowie der Privathaushalte. Gleichermaßen umfasst dies auch die Bereitstellung einer adäquaten Netzinfrastruktur.
Ziel ist es außerdem, den Kundinnen und Kunden auch weiterhin eine exzellente Servicequalität zu bieten. Die Funktionalitäten und das digitale Angebot auf dem Kundenserviceportal sollen weiter ausgebaut und optimiert werden. Die Kombination aus persönlichem Kundenservice und digitalen Möglichkeiten bietet ein breites Angebot, das die Vielfalt der Kundenbedürfnisse berücksichtigt und gleichzeitig zur Effizienzsteigerung und der weiteren Digitalisierung von Prozessen beiträgt.
Die wirtschaftlichen Aussichten in Deutschland bleiben getrübt. In der Märzprognose 2025 hatte das ifo Institut seine Wachstumsprognose auf 0,2 % gesenkt. Hauptursachen für die schwache Entwicklung sind unter anderem die anhaltenden geopolitischen Spannungen, Unsicherheiten durch die US-Zollpolitik, strukturelle Herausforderungen wie hohe Energiekosten sowie eine zurückhaltende Investitionstätigkeit der Unternehmen.
Im Zusammenhang mit den vorgezogenen Bundestagswahlen am 23.02.2025 haben CDU/CSU und SPD ihre Koalitionsverhandlungen abgeschlossen und einen Koalitionsvertrag vorgelegt. Die Schwerpunkte liegen auf wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, sozialer Absicherung, fortschreitender Digitalisierung und innerer Sicherheit. Im Hinblick auf die Belebung der Wirtschaft könnten mit dem geplanten Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen Konjunkturanreize gesetzt werden und sich daraus Wachstumschancen ergeben.
Ferner bekennt sich die neue Regierung zu den bestehenden deutschen und europäischen Klimazielen sowie der Klimaneutralität Deutschlands bis zum Jahr 2045. Die Energiewende und der Ausbau erneuerbarer Energien sollen mit verschiedenen Maßnahmen entschlossen vorangetrieben werden. Gleichzeitig will die neue Regierung sowohl gewerbliche sowie auch private Verbraucher hinsichtlich der Energiekosten entlasten. Zur rechtlichen Umsetzung der Maßnahmen ist mit zahlreichen energierechtlichen Anpassungen und Neuerungen zu rechnen.
Bei der Netzentgeltregulierung stellt das Jahr 2025 das Kostenprüfungsjahr für das Erdgasnetz und das Jahr 2026 das Kostenprüfungsjahr für das Stromnetz dar. Somit haben die kommenden Geschäftsjahre eine hohe Bedeutung im Hinblick auf die Festlegung der Ausgangsniveaus für die 5. Regulierungsperiode (Gas: 2028 bis 2032; Strom: 2029 bis 2033).
Weitere Chancen- und Risiken sind nachfolgend erläutert.
6.2 Chancen- und Risikobericht
Die zentrale Zielsetzung des Risikomanagements ist es, die Unternehmensleitung rechtzeitig und regelmäßig mit den für die Unternehmensentwicklung relevanten Informationen zu versorgen und die Handlungsfähigkeit in Bezug auf die Unternehmensrisiken zu verbessern.
Der Risikomanagementprozess ist ein kontinuierlicher Vorgang, welcher in einer jährlichen Inventur Risiken identifiziert und dokumentiert. Um die Risikowahrnehmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stärken, fanden im Jahr 2024 mit allen Unternehmensbereichen Risikoworkshops statt. Im jährlichen Turnus erfolgt eine Risikoberichterstattung gegenüber der Geschäftsführung.
Entstehen neue Risiken oder erreichen vorhandene Risiken definierte Schwellenwerte, so erfolgt darüber hinaus eine anlassbezogene Berichterstattung an die Geschäftsführung.
Im abgeschlossenen Geschäftsjahr wurden keine Risiken identifiziert, die unternehmensbedrohend waren. Durch eine proaktive Risikomanagementstrategie und präventive Maßnahmen zeigte das Unternehmen eine hohe Resilienz gegenüber den Herausforderungen des Marktes sowie dem zunehmenden Insolvenzgeschehen.
In regelmäßigen Abständen werden die Versicherungen für mögliche Schadensfälle und Haftungsrisiken geprüft und entsprechende Policen abgeschlossen.
Umfeldrisiken und –chancen (politische/gesetzliche/regulatorische Rahmenbedingungen)
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 02.09.2021 hinsichtlich der Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde führt zu weitreichenden Änderungen der Anreizregulierung und der Netzentgeltverordnungen. Im Jahr 2024 haben insbesondere die Unsicherheiten in Bezug auf die regulatorischen Anpassungen in der Anreizregulierung durch den NEST-Prozess weitreichende Auswirkungen. Es bleibt offen, ob das vereinfachte Verfahren weiterhin auf die Stadtwerke Wernigerode GmbH anwendbar ist. Eine mögliche Verkürzung der Regulierungsperiode würde mit einer deutlichen Erhöhung des Verwaltungsaufwandes im Regulierungsmanagement einhergehen. Ob mit der Verkürzung der Periode eine schnellere Anpassung der Erlösobergrenzen an aktuelle Kostenentwicklungen ermöglicht wird, ist derzeit nicht abzusehen.
Mit dem Gesetz zur Dekarbonisierung des Gasnetzes werden zusätzlich neue Anforderungen an die Infrastruktur gestellt, insbesondere im Hinblick auf die Nutzung von Wasserstoff und die Anpassung des Netzes an eine CO₂-arme Zukunft. Dies kann sowohl Investitionschancen als auch Risiken in Bezug auf erforderliche Umrüstungs- und Anpassungsmaßnahmen mit sich bringen. Die Festlegung KANU 2.0 durch die BNetzA hat zudem Auswirkungen auf die kalkulatorische Abbildung von Investitionen in die Netzinfrastruktur. Insgesamt bieten die Änderungen Investitionsanreize und eine höhere Flexibilität, bringen jedoch auch Risiken aufgrund steigender Finanzierungskosten und regulatorischer Unsicherheiten mit sich.
Die anhaltenden geopolitischen Spannungen beeinflussen die Energieversorgungssicherheit und die Preisstabilität auf den globalen Märkten weiterhin. Auf der wirtschaftlichen Seite führen eine schwache Konjunktur und die anhaltend hohe Inflation zu steigenden Betriebskosten und unsicheren Investitionsbedingungen. Im Zusammenhang mit der konjunkturellen Lage und wirtschaftlichen Unsicherheiten ist eine steigende Anzahl von Insolvenzen zu beobachten, die das Risiko von Forderungsausfällen erhöhen. Auch im Tarifkundensegment haben Maßnahmen im Zusammenhang mit einem verschlechterten Zahlungsverhalten deutlich zugenommen. Angesichts dieser Herausforderungen passen die Stadtwerke Wernigerode GmbH ihre Risiko- und Investitionsstrategien kontinuierlich an, um die finanzielle Stabilität zu sichern und eine zuverlässige Energieversorgung zu gewährleisten.
Insgesamt haben die Umfeldrisiken eine mittlere Ausprägung.
(Markt-)Preis- und Absatzrisiken und -chancen
Der Energiemarkt zeigte sich im Jahr 2024 weiterhin von hoher Volatilität geprägt. Preisschwankungen, insbesondere bei den Energiemärkten für Strom und Gas, stellten Unternehmen vor signifikante Herausforderungen. Durch die fortschreitende Dekarbonisierung und den Übergang zu erneuerbaren Energien wird der Markt zunehmend dynamischer. Die Integration von Photovoltaik, Windenergie und anderen erneuerbaren Quellen in die Energienetze birgt Chancen, gleichzeitig aber auch Risiken in Bezug auf die Netzstabilität und die Flexibilität der Energiepreise. Für die Stadtwerke Wernigerode GmbH bedeutet dies, dass Marktpreisrisiken weiterhin bestehen, jedoch durch strategische Ausrichtung auf Bestandskunden und angepasste Vertragsmodelle weitgehend abgefedert werden können. Das Unternehmen hat hier durch die Fokussierung auf flexiblere Preismodelle für Sonderkunden proaktiv auf die Marktentwicklungen reagiert. Chancen bestehen durch die Flexibilität eigener Erzeugungsanlagen. Insgesamt wird das Marktpreis- und Absatzrisiko als mittelhoch eingeschätzt.
IT-Risiken
Im Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2024 stuft das BSI die Gefährdungslage im Cyber-Raum als extrem hoch ein. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Kommunalverwaltungen und kommunale Betriebe sind überproportional häufig Ziel von Cyberangriffen (Auszug BSI Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2024).
Die Stadtwerke Wernigerode GmbH begegnet diesen Risiken durch die konsequente Umsetzung branchenspezifischer Anforderungen sowie durch umfassende technische Sicherungsmaßnahmen, robuste Datensicherungskonzepte und die präzise Vergabe von Berechtigungs- und Zugriffsrechten. Zusätzlich verfügen die Stadtwerke Wernigerode GmbH über ein zertifiziertes Managementsystem für Informationssicherheit (ISMS), das kontinuierlich an die aktuellen Bedrohungslagen angepasst wird. Trotz dieser umfangreichen Gegenmaßnahmen bleibt das Risiko einer Cyberattacke aufgrund der potenziellen Auswirkungen hoch, sodass das Risiko insgesamt als mittleres Risiko eingestuft wird.
Risiken aus dem Betrieb von Anlagen und Netzen (operative Risiken)
Als Betreiber von Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen, Netzanlagen sowie Gas-, Strom-, Fernwärme- und Wassernetzen bestehen auch 2024 weiterhin Risiken aus dem ungeplanten Ausfall oder der Nichtverfügbarkeit von Anlagen und Netzen. Diese Risiken werden durch vorbeugende Wartungsmaßnahmen, regelmäßige Kontrollen und die frühzeitige Beseitigung möglicher Schadensursachen gemindert. Zudem sind verschiedene Schadensszenarien durch entsprechende Versicherungen abgedeckt. Allerdings führen die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels, wie intensivere Unwetterereignisse und längere Trockenperioden, zu einer erhöhten Eintrittswahrscheinlichkeit dieser Risiken. In Kombination mit den potenziellen Auswirkungen von Naturkatastrophen und extremen Wetterbedingungen auf die Infrastruktur hat dieses Risiko für die Stadtwerke Wernigerode GmbH eine mittlere Ausprägung.
Insgesamt betrachtet liegt aktuell der Schwerpunkt auf der Vermeidung bzw. Minimierung von Risiken; die Nutzung eventueller Chancen ist unter den aktuellen Rahmenbedingungen eher nachrangig zu betrachten.
In einem wettbewerbsintensiven Markt konzentriert sich die Stadtwerke Wernigerode GmbH darauf, die Stellung als regionaler Versorger und Energiedienstleister zu verteidigen und gezielt auszubauen.
Dabei setzt das Unternehmen auf persönlichen Kundenservice und Servicequalität ergänzt durch digitale Angebote sowie auf regionale Wertschöpfung durch Partnerschaften mit Akteuren vor Ort. Die Stadtwerke Wernigerode GmbH sieht sich als Mitgestalter einer sicheren, nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung in der Region.