1. Grundlage des Unternehmens
Die Stadtwerke Wernigerode GmbH ist ein kommunales Energieversorgungsunternehmen, das als 100%ige Tochtergesellschaft der Stadt Wernigerode im Jahr 1990 gegründet wurde. Gegenstand des Unternehmens ist die Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit Elektrizität, Erdgas, Trinkwasser und Fernwärme.
Das Leistungsspektrum der Stadtwerke Wernigerode GmbH umfasst nahezu alle Wertschöpfungsstufen der Energiewirtschaft. Neben dem Bezug, der Weiterverteilung und dem Vertrieb von Energie und Trinkwasser werden an drei Standorten Blockheizkraftwerke zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und Wärme betrieben. Vielfältige Produkte und Dienstleistungen für private Haushalte, Gewerbe, Industrie und Kommunen sowie die regionale Verbundenheit gehören zu den besonderen Stärken der Gesellschaft. Zudem nimmt das Unternehmen die Aufgabe des grundzuständigen Messstellenbetreibers wahr.
Von diesem Angebotsportfolio profitieren mehr als 50.000 Haushaltskunden und Gewerbeunternehmen, ebenso große Industriebetriebe in- und außerhalb der Stadtwerke-Netzgebiete. Soziales Engagement, Nachhaltigkeit und die aktive Mitgestaltung der Energiewende vor Ort sind wesentliche Eckpfeiler der Unternehmensphilosophie. Durch die Förderung umweltschonender Energieerzeugung und der bevorzugten Auftragsvergabe an regionale Dienstleister sowie auch durch Spenden und langjähriges Sponsoring leistet die Stadtwerke Wernigerode GmbH einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl.
2. Wirtschaftsbericht
2.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Geschäftstätigkeit der Stadtwerke Wernigerode GmbH wird maßgeblich durch energiepolitische Vorgaben, regulatorische Rahmenbedingungen sowie spezifische energiewirtschaftliche und allgemeine wirtschaftliche Gegebenheiten beeinflusst. Darüber hinaus wirkt sich die Witterung auf die Geschäftsentwicklung insbesondere im Erdgas- und Fernwärmebereich aus.
Die deutsche Wirtschaft befand sich im Jahr 2025 weiterhin in einer Phase schwacher konjunktureller Dynamik. Gemäß Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis, Stand 01/2026) stieg das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,2 % gegenüber dem Vorjahr an. Das leichte Wachstum stützt sich größtenteils auf Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates. Dämpfend wirkten insbesondere eine schwache industrielle Produktion, eine verhaltene Investitionstätigkeit sowie eine gemäßigte Auslandsnachfrage. Vergleichsweise hohe Energiepreise, gestiegene Finanzierungskosten und anhaltende geopolitische Unsicherheiten belasteten die wirtschaftlichen Aktivitäten.
Die Witterung in Deutschland im Berichtsjahr lag weiterhin auf einem überdurchschnittlich warmen Niveau, war jedoch insgesamt kühler als das Jahr 2024. Gleichzeitig war das Jahr 2025 niederschlagsärmer als das Vorjahr, mit einer historischen Frühjahrstrockenheit im Osten des Landes.
Die Treibhausgasemissionen Deutschlands sanken im Jahr 2025 um rund 1,5 %. Mit der Halbierung der Treibhausgaseinsparungen hat sich das Tempo der Emissionsminderung gegenüber dem Vorjahr deutlich verlangsamt.
Im Bereich der Gasversorgung wurde die seit 2022 geltende Alarmstufe des nationalen Notfallplanes Gas im Juli 2025 aufgehoben. Seither gilt wieder die Frühwarnstufe, da sich die Versorgungslage durch stabilere Importstrukturen und ausreichend hohe Speicherfüllstände entspannt hat. Die Versorgungslage war im Gesamtjahr stabil.
Die europäischen Großhandelspreise für Erdgas lagen 2025 auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau und weiterhin deutlich über den Werten vor der Energiepreiskrise 2021/2022.
Die Großhandelspreise für Strom betrugen im Jahresdurchschnitt 89 EUR/MWh, was einer Erhöhung um 10 EUR/MWh gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Der Preis für Emissionshandelszertifikate stieg ab April 2025 von 64 EUR/t auf über 80 EUR/t an. Ab Juni 2025 stabilisierte sich der Marktpreis auf einem Niveau, das über dem des Vorjahres blieb. Der Durchschnittspreis lag nach vorläufigen Berechnungen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) im Jahr 2025 bei 74,12 EUR/t (Stand 17.12.2025, 2024: 66,46 EUR/t).
Die vorgezogene Bundestagswahl am 23.02.2025 prägte nach dem Bruch der bisherigen Ampelkoalition den Rahmen für energiepolitische Debatten. Nach einer anfänglichen Konsolidierungsphase wurde die Kontinuität der Grundziele der Energiewende bekräftigt. Gleichzeitig setzte die neue Regierung verstärkte Schwerpunkte auf Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Kosten, Investitionsanreize sowie die Entlastung der Endverbraucher.
Darüber hinaus wurden auf europäischer und nationaler Ebene der Rechtsrahmen und das Regulierungsregime weiterentwickelt. Folgende Regelungen waren im Jahr 2025 von wesentlicher Bedeutung oder werden in den Folgejahren wirksam.
Energiemarkt und Versorgungssicherheit
Die Entwicklungen im Strom- und Gasmarkt sowie die Vorgaben zur Versorgungssicherheit wirken sich auf die operative und strategische Arbeit des Unternehmens aus. Sie erfordern Anpassungen in Beschaffung, Produktgestaltung, Messstellenbetrieb und Abrechnung, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten, Marktanforderungen zu erfüllen und die Integration erneuerbarer Energien effizient zu steuern.
Umsetzung der Anpassungen des Strommarktdesigns und der EU-Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie in nationales Recht
Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG 2025), u. a. Stärkung der Verbraucherrechte, Abschaffung der Gasspeicherumlage ab 2026, verpflichtende Einführung dynamischer Tarife, Energy-Sharing, Reduzierung der Netzentgelte ab 2026
Novelle des Messstellenbetriebsgesetzes, beschleunigter Smart-Meter-Rollout, Integration von Steuereinrichtungen zur netzdienlichen Steuerung von Erzeugungs- und Verbrauchseinrichtungen, Anpassung von Preisregulierung und Marktregeln im Messstellenbetrieb
Verlängerung der EU-Gasspeicherverordnung bis Ende 2027 zur Stärkung der Versorgungssicherheit Gas
Ausbau erneuerbare Energien und Energiewende
Die gesetzlichen Änderungen verpflichten die Stadtwerke Wernigerode GmbH dazu, die Energie- und Wärmeversorgung stärker auf erneuerbare Energien und Dekarbonisierung auszurichten. Dies führt insbesondere zu Anpassungsbedarf bei Investitions- und Planungsprozessen. Gleichzeitig gewinnen Maßnahmen zur Laststeuerung und Integration neuer Technologien an Bedeutung.
Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Richtlinie RED III (Renewable Energy Directive III)
Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2025), Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien, Sicherung der Netzstabilität
Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG), Verlängerung der Förderung bis 31.12.2026
Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (in Kraft seit 01.01.2024)
Energieeffizienz und Nachhaltigkeitsanforderungen
Die europäischen und nationalen Vorgaben zur Energieeffizienz wirken sich auf interne Managementsysteme und Reportingprozesse aus. Die Einführung eines Energie- und Umweltmanagementsystems führt zu einem erhöhten administrativen Aufwand, erfordert die fortlaufende Optimierung von Prozessen und steigert den Investitionsbedarf in energieeffiziente Anlagen und eine nachhaltige Infrastruktur.
Energy Efficiency Directive als Teil des Fit-for-55-Paketes – Umsetzung der Vorgaben in nationales Recht bis Oktober 2025
Energieeffizienzgesetz (EnEfG) – Pflicht zur Einführung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems bis 18.07.2025
Klimapolitische Instrumente und CO₂-Bepreisung
Die Anpassungen im europäischen und nationalen Emissionshandelssystem sowie CO2-Bepreisungsregelungen beeinflussen die Kostenstruktur und die Brennstoffbeschaffung. Sie führen bezugsseitig zu steigenden CO2-Kosten, erweiterten Berichtspflichten und zusätzlichem Verwaltungsaufwand. Gleichzeitig erhöhen sie den Anreiz, in emissionsarme Technologien, energieeffiziente Anlagen und alternative Brennstoffe zu investieren.
Anpassungen des Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) – u. a. neue Zuteilungsregelungen
Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) und Brennstoffemissionsverordnung (BEHV) – Rahmen für die CO2-Bepreisung fossiler Brennstoffe sowie Durchführungsbestimmungen zum Verkauf und zur Versteigerung von Emissionszertifikaten
IT-Sicherheit und KRITIS-Regulierung
Die gesetzlichen Anforderungen zur IT-Sicherheit und zum Schutz kritischer Infrastrukturen führen zu Anpassungsbedarf bei der Stadtwerke Wernigerode GmbH. Dies betrifft sowohl Investitionen in technische Sicherheitslösungen und die Stärkung der IT-Infrastruktur als auch die Anpassung organisatorischer Prozesse und die Einrichtung von Prüf- und Meldeverfahren.
KRITIS-Dachgesetz
NIS2-Umsetzungsgesetz, strengere IT-Sicherheits- und Meldepflichten, Vorschriften zur physischen Sicherheit sowie Resilienz kritischer Infrastrukturen
Netzentgeltregulierung
Die Reform der Netzentgeltsystematik durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) und der damit verbundene NEST-Prozess legen für Verteilnetzbetreiber Erlösobergrenzen fest. Diese beeinflussen direkt die künftige Wirtschaftlichkeit der Netze. Ferner beschloss die Bundesregierung, zur Entlastung der Energiekosten, ab 2026 einen Bundeszuschuss von 6,5 Mrd. Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) an die Übertragungsnetzbetreiber zu zahlen.
Reform der Netzentgeltsystematik NEST-Prozess (u. a. AgNeS, RAMEN, StromNEF, GasNEF)
- Bundeszuschuss aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) zur Senkung der Netzentgelte Strom (wirksam ab 2026)
Der Primärenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2025 betrug gemäß vorläufigen Angaben des BDEW und Schätzungen des Arbeitskreises Energiebilanzen e.V. (AGEB) insgesamt 10.553 Petajoule und liegt damit auf dem Niveau des Vorjahres. Während die kalten Temperaturen zum Jahresbeginn verbrauchssteigernde Effekte hatte, wirkte sich die schwache Konjunktur in den energieintensiveren Branchen verbrauchsmindernd aus. Die wichtigsten Energieträger im Energiemix blieben Mineralöl mit einem Anteil von 35,7 %, Erdgas mit 26,9 % und erneuerbare Energien mit 26,0 %.
Der Nettostromverbrauch in Deutschland reduzierte sich nach Einschätzungen des BDEW um 0,4 % auf 466,0 Mrd. kWh (2024: 467,8 Mrd. kWh). Größter Verbraucher blieb weiterhin die Industrie mit einem Anteil von rund 44 %. Private Haushalte erreichten einen Anteil von 29 % am bundesweiten Nettostromverbrauch, gefolgt von Gewerbe, Handel und Dienstleistungen mit 27 %. Auf den Verkehrssektor entfielen 4 % des Gesamtnettoverbrauchs.
Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh lag laut Angaben des BDEW bei 39,3 ct/kWh brutto. Dies entspricht einer Senkung um 0,8 ct/kWh beziehungsweise 2 % gegenüber dem Jahr 2024. Angesichts gestiegener Großhandelspreise wirkt diese Entwicklung zunächst widersprüchlich. Der Effekt resultiert aus dem sukzessiven Auslaufen langfristiger Beschaffungsverträge der Energieversorger aus den preislich angespannten Jahren 2022 und 2023. Zudem sind die durchschnittlichen Netzentgelte leicht von 11,4 ct/kWh auf 10,9 ct/kWh gesunken. Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Bruttopreis lag mit 12,6 ct/kWh über dem Vorjahreswert von 11,7 ct/kWh.
Der Erdgasverbrauch in Deutschland stieg im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um 3,6 % auf 875 Mrd. kWh an. Zum einen erhöhte sich die Nachfrage nach Erdgas aufgrund der kalten Witterung in den ersten Monaten des Jahres, zum anderen wurde die geringere Stromerzeugung aus Windkraftanlagen durch den Mehreinsatz von Gaskraftwerken ausgeglichen.
Der Erdgaspreis für Haushalte – Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh – lag im bundesweiten Durchschnitt bei 11,94 ct/kWh brutto und damit rund 6,4 % über dem Vorjahrespreis von 11,22 ct/kWh. Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Gaspreis lag bei 31,4 %, während 49,1 % auf Beschaffung und Vertrieb sowie 19,5 % auf Netzentgelte einschließlich Messung und Messstellenbetrieb entfielen.
3. Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage
3.1 Geschäftsverlauf
Im Zusammenhang mit den staatlichen Entlastungsmaßnahmen nach dem Strompreisbremsengesetz sowie dem Erdgas-Wärmepreisbremsengesetz hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 die gesetzlich vorgesehenen Endabrechnungen gegenüber der zuständigen Abwicklungsstelle fristgerecht abgeschlossen. Die hierfür erforderlichen Prüfungen wurden durchgeführt, die Prüfungsvermerke akzeptiert und die entsprechenden Testierungen erteilt. Damit sind die aus der Umsetzung der Energiepreisbremsen resultierenden Abwicklungsprozesse abgeschlossen.
Der Transformationsplan zur Dekarbonisierung der Fernwärme wurde im Frühjahr 2025 fertiggestellt. Er definiert den technologischen und infrastrukturellen Ausbaupfad bis zum Jahr 2045 und zeigt auf, wie die Fernwärmeversorgung schrittweise dekarbonisiert und zukunftsgerecht ausgerichtet werden kann. Der Plan stellt eine zentrale Grundlage für zukünftige Investitionsentscheidungen und Projektplanungen dar.
Erste konkrete Maßnahmen, die sich aus dem Transformationsplan ableiten lassen, sind die Errichtung einer Großwärmepumpe und eines Wärmespeichers sowie der weitere Ausbau des Fernwärmenetzes. Zur Konkretisierung dieser Maßnahmen wurde im Berichtsjahr eine Machbarkeitsstudie für eine Luft-Wasser-Großwärmepumpe sowie Voruntersuchungen zur Dimensionierung eines Netzspeichers durchgeführt.
Die Stadtwerke Wernigerode GmbH ist nach Maßgabe des Energieeffizienzgesetzes zur Einführung eines Energiemanagementsystems verpflichtet. Die Erstzertifizierung (DNV) nach ISO 50001 wurde fristgerecht erfolgreich abgeschlossen. Mit der Einführung des Systems wurden die Grundlagen für eine gezielte Erfassung, Bewertung und kontinuierliche Reduzierung des Energieverbrauchs bzw. Steigerung der Energieeffizienz geschaffen.
Gemäß Messstellenbetriebsgesetz war die Gesellschaft im Jahr 2025 erstmalig verpflichtet, eine im Gesetz vorgegebene Quote beim Rollout intelligenter Messsysteme zu erfüllen. Die Zielvorgabe, mindestens 20 % aller Letztverbraucher zwischen 6.000 kWh und 100.000 kWh mit einem intelligenten Messsystem auszustatten, wurde erreicht.
Im Jahr 2025 hat im Erdgasnetzgebiet der Stadtwerke Wernigerode GmbH die Marktraumumstellung von niederkalorischem Erdgas (L-Gas) auf hochkalorisches Erdgas (H-Gas) begonnen. Im ersten Schritt des insgesamt etwa zweieinhalb Jahre andauernden Prozesses erfolgte die Information der betroffenen Nutzer. Daran anschließend startete die Erhebungsphase, in der sämtliche gasbetriebene Geräte in Haushalten und Unternehmen aufgenommen und auf deren Eignung für H-Gas geprüft werden.
Hinsichtlich der Mieterstromprojekte wurden die Kooperationen mit lokalen Wohnungsbauunternehmen fortgesetzt. Im Berichtszeitraum erfolgte die Inbetriebnahme von vier weiteren Mieterstromanlagen. Damit werden nunmehr vierzehn Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt 527 kWp betrieben (2024: 370 kWp).
Das Projekt E-Carsharing wurde zum 01.07.2025 in eine zweite Laufzeit überführt und wird zunächst für die Dauer von drei Jahren gemeinsam mit den Partnern der Ein Harz-Projektgruppe sowie den vertraglich gebundenen Ankernutzern fortgeführt.
Vor dem Hintergrund des § 7c EnWG, demnach Betreiber von Elektrizitätsverteilernetzen weder Eigentümer von Ladepunkten für Elektromobile sein noch diese Ladepunkte entwickeln, verwalten oder betreiben dürfen, traf der Aufsichtsrat der Stadtwerke Wernigerode GmbH die Entscheidung zum Verkauf der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Der Eigentumsübergang fand zum 01.03.2026 statt. Das Geschäftsfeld hatte im Rahmen der gesamtunternehmerischen Tätigkeit untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung.
Aus regulatorischer Sicht stellte das Geschäftsjahr 2025 das Kostenprüfungsjahr im Gasbereich dar und hat somit eine hohe Relevanz für das Ausgangsniveau der Erlösobergrenzen der 5. Regulierungsperiode (ab 2028). Ferner wurden im Berichtsjahr die Möglichkeiten der KANU 2.0-Festlegungen zur Anwendung von Abschreibungsmodalitäten und verkürzter kalkulatorischer Nutzungsdauern von Erdgasinfrastrukturen in der Netzentgeltkalkulation berücksichtigt.
Durch strategisches Einkaufsmanagement konnte die Stadtwerke Wernigerode GmbH die Auswirkungen der Marktentwicklungen weitgehend abfedern. Die Energiepreise im Strom- und Erdgassektor blieben im Jahresverlauf unverändert. Lediglich die zum Jahresbeginn 2025 gestiegenen CO2-Kosten sowie die zum 01.01.2025 und zum 01.07.2025 erhöhte Gasspeicherumlage wurde bei Erdgas-Produktverträgen an die Kunden weitergegeben.
Der Leistungspreis Fernwärme wurde zum 01.01.2025 moderat gemäß Preisformelindizes angehoben, während der Arbeitspreis stabil blieb. Die gestiegenen CO2-Kosten sowie die erhöhte Gasspeicherumlage wurden analog dem Erdgasbereich an die Endkunden weiterberechnet.
Im Bereich der Wasserversorgung erfolgte zum 01.07.2025 eine Neukalkulation der Wasserentgelte. Daraus ergab sich eine Preiserhöhung von durchschnittlich rund 11 %. Hintergrund waren gestiegene Kosten für den Trinkwasserbezug sowie höhere Material-, Dienstleistungs- und Personalkosten.
Zum 01.03.2025 wurde der Preis an der Erdgastankstelle angepasst. Die Preissteigerung resultiert größtenteils aus der zum 01.01.2025 angehobenen Energiesteuer sowie aus gestiegenen Netznutzungsentgelten für den Betrieb der Verdichter und der erhöhten Gasspeicherumlage.
Seit der Einführung des Online-Service-Portals im Dezember 2023 haben sich über 4.000 Nutzer registriert und profitieren von den digitalen Serviceangeboten. Allein im Jahr 2025 wurden mehr als 11.000 Transaktionen verschiedenster Art über das Portal abgewickelt. Dies stellt eine Vereinfachung von Serviceprozessen, Verkürzung der Bearbeitungszeiten und damit eine Entlastung des Kundenservices insbesondere bei Routinevorgängen dar.
Trotz der komplexen Rahmenbedingungen und steigender Herausforderungen haben die Stadtwerke Wernigerode GmbH auch im Jahr 2025 ihren Auftrag zur Daseinsvorsorge verlässlich erfüllt.
3.2 Ertragslage
Die Umsatzerlöse beliefen sich im Geschäftsjahr 2025 – bereinigt um die Strom- bzw. Energiesteuer – auf 118.525 TEUR (Vorjahr: 116.306 TEUR). Die Zunahme um 2.219 TEUR gegenüber dem Vorjahr ist im Wesentlichen auf gestiegene Verbrauchserlöse in Höhe von 5.069 TEUR zurückzuführen, denen rückläufige Handelserlöse in Höhe von 2.562 TEUR gegenüberstehen.
Im Wirtschaftsplan für 2025 wurden die Umsatzerlöse mit 108.765 TEUR prognostiziert. Die Differenz von 9.760 TEUR im Plan-Ist-Vergleich ist im Wesentlichen auf die erzielten Handelserlöse in Höhe von 6.949 TEUR zurückzuführen, da diese nicht prognostizierbar und somit im Wirtschaftsplan nicht enthalten sind.
Die sonstigen betrieblichen Erträge sind durch Erträge aus Auflösungen von Rückstellungen in Höhe von 1.863 TEUR (Vorjahr: 2.483 TEUR) geprägt.
Die Materialaufwendungen beinhalten im Wesentlichen den Bezug von Strom, Gas und Wasser. Die Reduzierung ist durch die Preisentwicklungen auf den Beschaffungsmärkten für Energie sowie durch gesunkene Stromabsatzmengen bedingt. Zu weiteren Ausführungen wird auf den Punkt 3.2.2 Beschaffung und Erzeugung von Energie verwiesen.
Bezüglich des Personalaufwands, der Mitarbeiteranzahl, Tarifsteigerungen usw. wird auf Punkt 3.3.2 Personal- und Sozialbereich verwiesen.
Der Jahresüberschuss für das Geschäftsjahr 2025 beträgt 5.603 TEUR (Vorjahr 7.569 TEUR) und bleibt damit leicht unter dem Plan von 5.973 TEUR.
3.2.1 Absatz und Umsatzerlöse an Energie
| Medium (ohne Eigenverbrauch) | Absatz 31.12.2024 | Absatz 31.12.2025 | Abweichung % |
|---|---|---|---|
| Strom (Mio. kWh) | 322,0 | 308,9 | - 4,1 |
| Erdgas (Mio. kWh) | 595,6 | 589,6 | - 1,0 |
| Fernwärme (Mio. kWh) | 55,5 | 59,8 | + 7,7 |
| Trinkwasser (Mio. m³) | 3,61 | 3,54 | + 1,9 |
Der Stromabsatz belief sich im Jahr 2025 auf 308,9 Mio. kWh und lag damit um 4,1 % unter dem Vorjahreswert (322,0 Mio. kWh). Ein ähnliches Lagebild zeigt sich im Plan/Ist-Vergleich, es wurden 15,6 Mio. kWh bzw. 4,8 % weniger Strom abgesetzt als geplant. Der Rückgang bei beiden Betrachtungen ist überwiegend auf verminderte Absätze im Segment der Netznutzung durch Fremdlieferanten zurückzuführen.
Im Erdgasbereich ist der Absatz insgesamt betrachtet gegenüber dem Vorjahr um 6,0 Mio. kWh bzw. um 1,0 % auf 589,6 Mio. kWh gesunken. Grund hierfür sind vorrangig Rückgänge bei der Netznutzung durch Fremdlieferanten. Im eigenen Netz ist der Erdgasabsatz weiterhin leicht rückläufig. Der Vergleich des Planabsatzes 2025 zum Ist-Absatz zeigt ein Minus von rund 2,8 % bzw. 17,1 Mio. kWh.
Zwar war die Witterung im Jahresverlauf 2025 recht kühl und folglich auch die damit verbundene Gasnachfrage für Heizzwecke höher, dennoch ergibt sich insgesamt ein Absatzrückgang vorrangig im fremdversorgten Sonderkundensegment im Netzgebiet der Stadtwerke Wernigerode GmbH.
Die Abgabemenge an der Erdgastankstelle inklusive Eigenverbrauchs verringerte sich um 1,4 Mio. kWh auf 12,2 Mio. kWh. Dieser Rückgang resultiert aus geringeren Bedarfen des erdgasbasierten öffentlichen Personennahverkehrs.
Der Fernwärmeabsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Mio. kWh auf 59,8 Mio. kWh. Neben Witterungseinflüssen wirkte sich insbesondere die Versorgung neuer Anschlussnehmer im Zuge des Netzausbaus absatzsteigernd aus. Damit liegt der Ist-Absatz rund 4,5 % über dem Plan.
Der Trinkwasserabsatz an Endkunden und Weiterverteiler verringerte sich um 1,9 % auf 3,54 Mio. m³. Gegenüber den Planwerten 2025 ergibt sich ein leichter Zuwachs von rund 1,0 % bzw. 0,03 Mio. m³. Absatzrückgänge waren vorrangig im Großkundensegment sowie bei der Lieferung an Weiterverteiler zu verzeichnen.
Die Werte der nachfolgenden Umsatzübersicht beinhalten die Strom- bzw. Energiesteuer.
| Medium | Umsatz 31.12.2024 | Umsatz 31.12.2025 | Abweichung % |
|---|---|---|---|
| Strom (TEUR) | 54.266 | 55.416 | + 2,12 |
| Erdgas (TEUR) | 31.509 | 34.586 | + 9,77 |
| Fernwärme (TEUR) | 7.788 | 8.649 | + 11,06 |
| Trinkwasser (TEUR) | 8.121 | 8.455 | + 4,11 |
Die Umsatzerlöse in der Versorgungssparte Strom bleiben im Vorjahresvergleich auf einem stabilen Niveau.
Die Umsatzsteigerung im Erdgasbereich um 9,77 % resultiert bei rückläufigen Absatzmengen aus entsprechenden Preiseffekten.
Der Mehrumsatz in der Versorgungssparte Fernwärme von 11,06 % gegenüber dem Vorjahr ist auf eine witterungs- und ausbaubedingte Absatzmengensteigerung zurückzuführen.
Beim Trinkwasser ist ein Umsatzanstieg um 4,11 % zu verzeichnen. Dieser Anstieg beruht bei einer Absatzmengenminderung auf einer Erhöhung der Wasserentgelte zum 01.07.2025.
3.2.2 Beschaffung und Erzeugung von Energie
Die externe Bezugsmenge Strom im Geschäftsjahr lag mit 158,1 Mio. kWh um 1,3 % unter der Vorjahresmenge in Höhe von 160,2 Mio. kWh. Hingegen stiegen die Bezugskosten um 762 TEUR auf 15.676 TEUR. Ursächlich für diesen Anstieg sind höhere Preise an den kurzfristigen Energiemärkten über das Gesamtjahr.
Die in den eigenen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (BHKW) erzeugte Strommenge stieg von 44,1 Mio. kWh auf 45,2 Mio. kWh. Dies ist auf die kühlere Witterung im Jahr 2025 zurückzuführen. Das Unternehmen deckte im Jahr 2024 ca. 23,6 % des gesamten Strombedarfs in Wernigerode durch seine Erzeugungsanlagen ab (inkl. Photovoltaik und Wasserkraft). Die Erzeugungskosten sind gegenüber dem Vorjahr gesunken. Gründe hierfür waren günstigere Gasbezugskonditionen.
Die Fremdeinspeisung nach EEG und KWKG in das Netz der Stadtwerke Wernigerode GmbH betrug im Berichtsjahr summiert 13,3 Mio. kWh und lag somit um 1,7 Mio. kWh über der Vorjahresmenge. Durch diesen Anstieg wurden 63 TEUR mehr an Anlagenbetreiber ausgezahlt, die insgesamt 2.194 TEUR erhielten. Im Jahr 2025 waren 1.496 EEG-Anlagen sowie 80 KWK-Anlagen im Netzgebiet der Stadtwerke Wernigerode registriert (2024: 1.284 EEG-Anlagen, 83 KWK-Anlagen).
Die Durchleitungsmenge im Rahmen der EEG-Direktvermarktung für Photovoltaikanlagen und Biogasverstromung reduzierte sich von rund 7,3 Mio. kWh auf knapp 6,4 Mio. kWh. Demgegenüber erhöhte sich die zu zahlende Marktprämie gegenüber dem Vorjahr auf 477 TEUR.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt 558,2 Mio. kWh und damit rund 7,7 % mehr Erdgas als im Vorjahr (518,0 Mio. kWh) bezogen. Der Anstieg ist vorrangig auf den höheren Erdgasverbrauch eigener Kunden im Netz der Stadtwerke Wernigerode GmbH zurückzuführen. Infolge der gestiegenen Bezugsmenge erhöhten sich die Aufwendungen um 2.136 TEUR auf 31.629 TEUR.
3.3 Finanz- und Vermögenslage
Die Bilanzsumme hat sich von 96.824 TEUR auf 100.454 TEUR erhöht.
Die Entwicklung des Anlagevermögens von 60.461 TEUR auf 66.290 TEUR resultiert aus der hohen Investitionstätigkeit.
Der Anstieg der Vorräte von 7.252 TEUR auf 8.172 TEUR ist durch die Bilanzierung von BEHG-Emissionszertifikaten geprägt.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände (2025: 25.319 TEUR, Vorjahr: 22.156 TEUR) sind durch gestiegene Forderungen im Rahmen der Jahresrechnungslegung im Tarifkundenbereich beeinflusst.
Der Bestand an liquiden Mitteln reduzierte sich von 6.091 TEUR auf 42 TEUR.
Die Eigenkapitalquote beträgt 45,03 % (2024: 46,61 %) und bleibt damit auf einem konstanten Niveau.
Die sonstigen Rückstellungen sind durch die Bildung einer Drohverlustrückstellung für die Beschaffung von Erdgas in Höhe von 2.105 TEUR (Vorjahr 712 TEUR) beeinflusst.
Der Anstieg der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (Berichtsjahr: 15.925 TEUR, Vorjahr: 7.193 TEUR) ist auf die Investitionstätigkeit zurückzuführen.
Das Finanzmanagement der Stadtwerke Wernigerode GmbH ist grundsätzlich darauf ausgerichtet, Verbindlichkeiten innerhalb der Zahlungsfrist sowie unter Ausnutzung von Skonti zu begleichen und Forderungen innerhalb der Zahlungsziele zu vereinnahmen.
Die Finanzlage wird als stabil eingeschätzt. Mit den Zahlungsmittelzuflüssen aus der operativen Geschäftstätigkeit sowie aus den Kreditlinien können die notwendigen Investitionen finanziert und Zahlungen an kapitalgebende Banken bedient werden.
3.3.1 Investitionen
Um eine sichere sowie zuverlässige Energie- und Trinkwasserversorgung zu gewährleisten sowie die Energie- und Wärmewende vor Ort voranzutreiben, investierte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 12.954 TEUR (Plan 2025: 13.137 TEUR). Die Mittel flossen insbesondere in die Erneuerung sowie in den Ausbau der Netze und Anlagen der Strom-, Erdgas, Fernwärme- und Trinkwasserversorgung.
Im Strombereich investierte das Unternehmen 5.384 TEUR in die Netze auf Mittel- und Niederspannungsebene sowie Anlagen der Stromversorgung. Die bedeutendste Einzelmaßnahme war die Herstellung einer Mittelspannungstrasse im Zusammenhang mit der im Bau befindlichen Mittelspannungsschaltstation.
In der Sparte Erdgas beliefen sich die Investitionen in Hochdruck-, Mitteldruck- und Niederdrucknetze sowie in technische Anlagen auf insgesamt 998 TEUR.
Für das Trinkwassernetz einschließlich technischer Anlagen wurden Investitionen in Höhe von 1.185 TEUR getätigt.
Im Bereich der Fernwärmeversorgung betrug das Investitionsvolumen für den weiteren Netzausbau und den Anschluss neuer Fernwärmekunden 2.670 TEUR. Die Erweiterung des Fernwärmeortsnetzes wurde auch im Berichtsjahr konsequent vorangetrieben.
In die Erzeugung von Strom und Fernwärme investierte das Unternehmen rund 486 TEUR.
In den sonstigen Bereichen des Unternehmens belief sich die Investitionssumme auf 2.231 TEUR (u. a. MSR-Technik und Telekommunikation, Netzdokumentation, Zählermanagement, Erdgastankstelle, allgemeine Verwaltung und Fuhrpark, EDV, Contracting, Mieterstrom).
3.3.2 Personal- und Sozialbereich
Im Jahresdurchschnitt beschäftigte das Unternehmen 136 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (einschließlich Altersteilzeitbeschäftigte in der Freistellungsphase). Davon waren 38 Personen gewerbliche Arbeitnehmende, 87 Personen waren Angestellte, 11 Personen waren geringfügig beschäftigt. Im Geschäftsjahr 2025 waren durchschnittlich sieben Auszubildende tätig, davon drei im technischen und vier im kaufmännischen Bereich.
Der Personalaufwand betrug 9.093 TEUR (Vorjahr: 8.346 TEUR). Der Anstieg ist u. a. begründet durch die Anpassungen der Tarifvergütung zum 01.11.2024 und zum 01.04.2025 sowie durch die gestiegene Anzahl an Beschäftigten.
4. Finanzielle und nichtfinanzielle Leistungsindikatoren
Die Überwachung und Steuerung der Gesellschaft erfolgt anhand ausgewählter finanzieller Leistungsindikatoren insbesondere der Entwicklung der Umsatzerlöse, der Entwicklung des Jahresergebnisses sowie der Investitionstätigkeit. Zu den Umsatzerlösen der Gesellschaft sowie zur Entwicklung des Jahresergebnisses nach Steuern wird auf die Erläuterungen unter Punkt 3.2 verwiesen. Die Analyse zur Entwicklung der Umsatzerlöse erfolgt auf Basis wesentlicher Absatzkennzahlen (siehe Punkt 3.2.1). Die Investitionstätigkeit ist unter 3.3.1 näher beschrieben.
Die kontinuierliche Betrachtung dieser Leistungsindikatoren ermöglicht eine frühzeitige Identifikation von Abweichungen und unterstützt die nachhaltige Sicherstellung einer ordnungsgemäßen, effizienten und kundenorientierten Leistungserbringung.
Im Rahmen der nichtfinanziellen Leistungsindikatoren misst die Gesellschaft der Servicequalität sowie der Pflege langfristiger und vertrauensvoller Kundenbeziehungen weiterhin eine hohe strategische Bedeutung bei. In den vergangenen Jahren wurde dieser Anspruch regelmäßig durch externe Marktforschungsstudien oder Meinungsumfragen und damit verbundenen Gütesiegeln bestätigt, die als objektiver Leistungsnachweis zur Stärkung der Kundenbindung, der Imagepflege sowie der Mitarbeitermotivation beigetragen haben.
Die im Geschäftsjahr 2025 vorgesehene Teilnahme an entsprechenden Zertifizierungs- bzw. Prüfverfahren wurde verschoben und stellt keinen Hinweis auf eine veränderte Leistungsqualität dar. Die Gesellschaft beabsichtigt, auch künftig wieder an externen Qualitätserhebungen teilzunehmen, um die erreichte Servicequalität transparent zu dokumentieren und zusätzliche Impulse für die Weiterentwicklung der Kundenorientierung zu gewinnen.
5. Tätigkeitsabschlüsse
Zur Einhaltung der Verpflichtungen bei der Rechnungslegung führt die Stadtwerke Wernigerode GmbH nach § 6b Abs. 3 EnWG in der internen Rechnungslegung getrennte Konten für die Tätigkeitsbereiche Elektrizitäts- und Gasverteilung, nach § 3 Abs. 4 des Messstellenbetriebsgesetzes für den Tätigkeitsbereich Messstellenbetrieb Elektrizität sowie auch für die Ladeinfrastruktur E-Mobilität. Für Tätigkeiten außerhalb dieser Bereiche werden ebenfalls getrennte Konten geführt.
6. Prognosebericht
Die gesamtwirtschaftliche Ausgangslage für das Jahr 2026 ist vor dem Hintergrund geo- und handelspolitischer Unsicherheiten, höherer Zölle und struktureller Faktoren wie einer verringerten Wettbewerbsfähigkeit, Fachkräfteengpässen sowie erhöhten Energie- und Bürokratiekosten weiterhin herausfordernd.
Der zum Jahresende 2025 einsetzende konjunkturelle Aufschwung setzte sich zu Beginn des Jahres 2026 mit leicht abgeschwächtem Tempo fort. Vor dem Hintergrund der expansiven Finanzpolitik, des kräftigen öffentlichen Konsums und steigender staatlicher Ausgaben geht die Frühjahrsprognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 1,0 % aus.
Die Stadtwerke Wernigerode GmbH prognostiziert für das Jahr 2026 Umsatzerlöse in Höhe von 104.974 TEUR. Gegenüber dem Ist des Geschäftsjahres 2025 mit 118.525 TEUR entspricht dies einem Rückgang um rund 11,43 %. Die Reduzierung erklärt sich durch planmäßig geringere Handelserlöse.
Gemäß dem Wirtschaftsplan für das Jahr 2026 erwartet die Gesellschaft ein Jahresergebnis in Höhe von 5.670 TEUR (Ist 2025: 5.603 TEUR).
Der vom Aufsichtsrat genehmigte Investitionsplan 2026 sieht ein Gesamtvolumen in Höhe von 17.085 TEUR vor (Ist 2025: 12.954 TEUR). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf den im Zuge der Energiewende erforderlichen Ausbau und die Verstärkung des Stromnetzes sowie auf Maßnahmen im Rahmen der Wärmewende zurückzuführen.
Auf Basis des im Jahr 2025 fertiggestellten Transformationsplans sowie der vorliegenden Machbarkeitsanalyse zur Errichtung einer Großwärmepumpe wird im Jahr 2026 mit den Planungen zur Umsetzung erster Maßnahmen begonnen. Die im Transformationsplan enthaltene Zielnetzplanung 2045 sieht zudem eine deutliche Erweiterung des Fernwärme-Verbundnetzes vor. In den kommenden Jahren ist daher von massiven Netzerweiterungen, Netzverdichtungen und Quartierserschließungen auszugehen.
Chancen ergeben sich durch die langfristige Sicherung und Stärkung der Fernwärme als zentraler Baustein in der kommunalen Wärmeversorgung sowie der Vermarktung von bestehenden sowie möglichen neuen Wärme-Dienstleistungen.
Der perspektivische Einsatz einer Großwärmepumpe dient der CO2-Reduktion und trägt dazu bei, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und volatilen Beschaffungsmärkten zu mindern. Demgegenüber ergeben sich Risiken insbesondere im Zusammenhang mit hohen Investitions- und Finanzierungserfordernissen. Unsicherheiten bestehen zudem im Hinblick auf die zukünftige Ausgestaltung von Förderbedingungen sowie regulatorische Entwicklungen. Verzögerungen bei Genehmigungsprozessen sowie eine Unterschreitung erwarteter Anschlussquoten können die Wirtschaftlichkeit beeinflussen.
Mit dem Auslaufen des KWKG zum 31.12.2026 ist eine Förderung von Wärmenetzen auf dieser Grundlage, vorbehaltlich einer erneuten Verlängerung, im Wesentlichen nur noch für das Ausbaujahr 2027 möglich. Zukünftige Netzerweiterungen mit Förderung nach der Bundesförderung für Wärmenetze (BEW) setzen eine Antragsstellung und Genehmigung vor Maßnahmebeginn voraus. Zudem ist die Mittelabrechnung mit erhöhten Anforderungen an Nachweisführung, Berichtswesen und Projektmonitoring verbunden. Inwiefern die Fördersystematik den künftigen Netzausbau beeinflusst, bleibt abzuwarten.
Mit der Zahlung des Bundeszuschusses in Höhe von insgesamt 6,5 Mrd. EUR an die vier großen Übertragungsnetzbetreiber sinken die Strom-Netzentgelte 2026 für alle Unternehmen und private Haushalte. Zusammen mit der Gasspeicherumlage, die zum 01.01.2026 entfallen ist, soll der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt, Arbeitsplätze gesichert sowie Verbraucherinnen und Verbraucher hinsichtlich der Energiepreise entlastet werden.
Die unter Punkt 3.1 Geschäftsverlauf bereits erwähnte Marktraumumstellung von L-Gas auf H-Gas im Netzgebiet der Stadtwerke Wernigerode GmbH setzt sich in den kommenden Jahren mit der Anpassungsphase der Gasgeräte fort. Der Abschluss des Projektes ist für 2028 vorgesehen.
Bei Mieterstromprojekten führte der Beschluss des Bundesgerichtshofes vom 13.05.2025 zu Unsicherheiten: Die bisherige nationalrechtliche Privilegierung von Kundenanlagen gemäß §3 Nr. 24 EnWG wird eingeschränkt, während Fragen zu bestimmten Anwendungsfällen offenbleiben. Übergangsregelungen bis 2028 bieten temporäre Planungssicherheit.
Weitere Chancen- und Risiken sind nachfolgend erläutert.
7.2 Chancen- und Risikobericht
7.1 Risikomanagementsystem und Ziele des Risikomanagements
Das Risikomanagementsystem der Stadtwerke Wernigerode GmbH dient der frühzeitigen und systematischen Identifikation, Bewertung und Steuerung von Chancen sowie Risiken. Ziel ist es, Entwicklungen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden oder die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage maßgeblich beeinflussen könnten, rechtzeitig zu erkennen und geeignete Risikobewältigungsstrategien abzuleiten. Zudem soll die Geschäftsführung kontinuierlich mit relevanten Informationen zur aktuellen Risikolage versorgt werden.
Das interne Risikomanagementsystem setzt sich aus vier Komponenten zusammen: die Risikoidentifizierung, Risikobewertung, Risikoanalyse und Risikobewältigung. Im Rahmen einer jährlichen Risikoinventur mit anschließender Risikobewertung werden sämtliche Risiken identifiziert, quantifiziert und kategorisiert. In einer anschließenden Risikoanalyse werden diese durch ABC-Analysen, Risikokennzahlen und Risikomatrizen ausgewertet und der Geschäftsführung im Rahmen eines jährlichen Risikoberichts dargelegt. Die Risikobewertung und -analyse schafft die Grundlage für die Neukonzeptionierung oder Aktualisierung entsprechender Risikobewältigungsstrategien zur Vermeidung, Minimierung und zum Transfer von Risiken oder zur Risikoakzeptanz.
Die Ergebnisse des Risikomanagementprozesses für das Jahr 2025 und die folgenden Geschäftsjahre werden im nachfolgenden Abschnitt überblicksweise dargestellt.
7.2 Einzelrisiken und -chancen
Rechtsrisiken
Die rechtlichen Risiken für die folgenden Geschäftsjahre umfassen im Wesentlichen die finanziellen Auswirkungen durch Anpassungen des Regulierungsrahmens aufgrund des NEST-Prozesses der Bundesnetzagentur. Durch die RAMEN- und NEF-Festlegungen sowie weitere Festlegungen könnten hohe Kostenkürzungen in der 5. Regulierungsperiode auf den Strom- und Gasnetzbetrieb zukommen. Die Verkürzung der Regulierungsperioden auf drei Jahre sorgt dafür, dass Ineffizienzen in einem kürzeren Zeitraum abgebaut werden müssen und erhöht den Verwaltungsaufwand im Regulierungsmanagement deutlich. Dem gegenüber stehen die Chancen einer vorteilhafteren Kapitalverzinsung durch die Verzinsung über den WACC-Ansatz, einer zeitnahen Wälzung der OPEX-Kosten (Betriebskosten) durch die verkürzten Regulierungsperioden sowie einer Möglichkeit von OPEX-Aufschlägen. Im Gesamtbild ergibt sich trotz Chancen ein mittelhohes Risiko aus den regulatorischen Anpassungen.
Marktrisiken
Die hohe Volatilität an den Energiemärkten bleibt weiterhin bestehen und aktuelle geopolitische Konflikte sowie die zunehmend unsichere Außenpolitik der USA verschärfen die Situation an den Energiemärkten und erhöhen die Energiepreise erheblich. Diese Konflikte werden potenziell langfristige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, sodass das Risiko dieser Marktentwicklungen als moderates bis mittelhohes Risiko für die Gesellschaft eingestuft wird. Die volatilen Energiepreise am Markt erhöhen Beschaffungsrisiken sowie Preisrisiken für die Energie-Eigenerzeugung. Der angedachte und politisch geprägte Veränderungsprozess beim europäischen Emissionshandel wie auch beim nationalen Emissionshandel steigert volatile Bewegungen der Energiemärkte zusätzlich und führt in der Folge zu Marktverwerfungen für Konsumenten, wie auch Erzeuger. Weiterhin könnten Mengenrückgänge aufgrund von Kundenverlusten im Energievertrieb langfristig zu Margenminderungen führen. Auch die Energiewende gestaltet den Markt weiterhin dynamisch. Zur Minderung der Marktrisiken dienen langfristige Beschaffungs- und Absatzstrategien sowie das kontinuierliche Monitoring aktueller Marktentwicklungen. Im Bereich Markt liegen zukünftige Chancen nicht nur in der Integration erneuerbarer Energien in die Netze, sondern auch in der langfristigen Flexibilisierung des Energiehandels.
Finanzrisiken
Eine Herausforderung für alle deutschen Energieversorger stellt aktuell und zukünftig der Investitionsbedarf der Energiewende dar. Laut einer Studie von PwC im Auftrag der KfW beträgt dieser Kapitalbedarf für alle Energieversorger in Deutschland bis zum Jahr 2045 insgesamt 346 Mrd. EUR, wovon 299 Mrd. EUR durch Fremdkapital und 47 Mrd. EUR durch Eigenkapital gedeckt werden sollen. Energieversorger müssen demzufolge auf verschiedene Finanzinstrumente zurückgreifen, um diese Herausforderung zu bewältigen. Von dieser finanziellen Herausforderung ist auch die Stadtwerke Wernigerode GmbH betroffen, da der Investitionsbedarf in die Energiewende sowie in den Stromnetzausbau eine vermehrte Fremdfinanzierung und höhere Einsätze liquider Mittel erfordert. Diese Herausforderung stellt für das Unternehmen ein moderates Risiko dar, welchem aktuell mit kontinuierlichen Investitions- und Finanzierungsplanungen entgegengesteuert wird, die zukünftig durch Finanzierungsstrategien aus diversifizierten Finanzinstrumenten ergänzt werden müssen. Neben dieser Herausforderung bietet die Energiewende langfristig die essenzielle Chance Klimaneutralität zu erreichen.
Operative Risiken
Im Bereich IT besteht ein stetiges Risiko durch Cyberangriffe, z. B. durch Phishing oder Hacking, dem weltweit Unternehmen, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, ausgesetzt sind. Das Schadensausmaß von Cyberangriffen ist potenziell hoch und das Risikopotential wird durch die Nutzung von KI für Cyberkriminalität und damit die Automatisierung von Cyberangriffen erhöht. Diesem Risiko begegnet die Stadtwerke Wernigerode GmbH durch technische Sicherheitsmaßnahmen, Datensicherungskonzepte, Berechtigungs- und Zugriffskonzepte sowie einem ISMS-System. Trotz Gegenmaßnahmen ist das Risiko für Cyberangriffe allgegenwärtig und wird aufgrund aktueller Entwicklungen weiterhin als moderat eingestuft. Darüber hinaus besteht ein moderates Risiko, dass externe IT-Dienstleister, bspw. durch Insolvenzen, ausfallen und diese Leistungen dann anderweitig teurer in Anspruch genommen oder intern kompensiert werden müssen. Zudem stellt Künstliche Intelligenz durch bspw. Compliance-Risiken und Systemfehler sowie die Implementierung von KI in Anwendungsbereiche des Unternehmens ein weiteres moderates Risiko dar. Gleichzeitig beinhaltet die Nutzung von KI nicht nur komplexe Risiken, sondern bietet zukünftig vielfältige Chancen für das Unternehmen, welche vom internen KI-Team der Gesellschaft schrittweise geprüft und bei konkreten Anwendungsfällen umgesetzt werden.
Da die Gesellschaft Betreiber von Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen sowie Gas-, Strom-, Fernwärme- und Wassernetzen ist, bestehen weiterhin Risiken durch Ausfälle, Störungen sowie Schädigungen von Anlagen und Netzen. Durch das Voranschreiten des Klimawandels werden diese Risiken potenziell wahrscheinlicher. Insbesondere im Trinkwasserbereich können Netzstörungen oder Leckagen hohe Kosten verursachen. Auch dieses Risiko wird als moderat eingestuft. Zur Risikominderung werden regelmäßige Wartungsmaßnahmen und Kontrollen durchgeführt, um potenzielle Schadensursachen frühzeitig zu beseitigen.
7.3 Risikolage der Stadtwerke Wernigerode GmbH
Aus der aktuellen Risikobewertung und -analyse ergaben sich im Wesentlichen Risiken mit sehr geringem bis geringem Risikopotential, die keinen relevanten Einfluss auf das Unternehmen haben. Darüber hinaus wurden einzelne Risiken mit moderatem bis mittelhohem Risikopotential festgestellt, welche im vorherigen Abschnitt näher erläutert wurden. Existenzbedrohende Risiken mit hohem bis sehr hohem Risikopotential wurden nicht ermittelt. Insgesamt gefährden die erläuterten Risiken zum aktuellen Stand weder den Fortbestand noch den Erfolg des Unternehmens.
Diese Risiken können potenzielle zukünftige Herausforderungen, auch für die folgenden Geschäftsjahre darstellen. Die Stadtwerke Wernigerode GmbH kann diesen potenziellen Unternehmensrisiken durch das etablierte proaktive und kontinuierliche Risikomanagementsystem erfolgreich begegnen, die Risiken steuern sowie Chancen für einen langfristigen Unternehmenserfolg ableiten bzw. ergreifen.
8. Nachtragsbericht
Nach dem Abschlussstichtag ist es im Februar 2026 zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und dem Iran gekommen, die sich im März 2026 durch gegenseitige Angriffe auf Energieinfrastrukturen weiter verschärft hat. Die daraus resultierenden Verwerfungen auf den internationalen Energiemärkten führen zu Preissteigerungen und erhöhter Volatilität. Die Gesellschaft beobachtet die weitere Entwicklung fortlaufend. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Lageberichtes waren keine wesentlichen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage erkennbar.
Die Ausrichtung der Stadtwerke Wernigerode GmbH konzentriert sich weiterhin auf die zuverlässige, wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung aller Kunden aus Industrie, Gewerbe, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten. Dazu gehört auch die Bereitstellung einer leistungsfähigen und resilienten Versorgungsinfrastruktur. Im persönlichen Kontakt mit Kundinnen und Kunden sowie bei der Weiterentwicklung des Online-Service-Portals wird eine herausragende Servicequalität angestrebt, um den Erwartungen an Effizienz, Erreichbarkeit und Nutzerfreundlichkeit zu entsprechen. Ziel ist es, die Stellung als regionaler Versorger und Energiedienstleister weiter zu festigen und gezielt auszubauen. Gleichzeitig fördert die Stadtwerke Wernigerode GmbH die regionale Wertschöpfung durch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Akteuren vor Ort.